Fitness-Tracker im Test – welche sind wirklich gut?

Die meisten schwören auf sie: Fitness-Tracker jedweder Art, um das Training exakt aufzuzeichnen und sich die verbrannten Kalorien ausweisen zu lassen, um anschließend die Ernährung anzupassen und zu optimieren. Aber was können die aktuellen Fitness-Tracker wirklich und sind sie wirklich so genau, dass man sich blind darauf verlassen sollte?

Stiftung Warentest hat im Heft 07/2020 einen umfassenden Test veröffentlicht, in dem sie einige der bekanntesten Hersteller-Tracker unter die Lupe genommen haben. Welche Tracker eignen sich laut Stiftung Warentest am besten zum Aufzeichnen des Trainings und welche Schwachstellen haben fast alle Tracker?


Begriffsabgrenzung

Es gibt verschiedene Arten der Fitness-Tracker. Smartwatches, Lauf-Uhren, Fitness-Tracker … was ist genau was und wie unterscheiden sich die verschiedenen Arten?

Smartwatches

Smartwatches sind Ergänzungen zum eigentlichen Smartphone, indem sie z.B. eingehende Anrufe oder Nachrichten des Handys auf der Uhr anzeigen. Durch ein integriertes Telefonmodul kann das Handy sogar mal in der Tasche oder ganz zu Hause gelassen werden. Darüber hinaus unterstützen Smartwatches mit täglichen Bewegungs- oder Stehzielen ihre Nutzer dabei, einen aktiveren Lebensstil zu führen.

Lauf-Uhren

Bei den Lauf-Uhren liegt der Fokus ganz klar weniger auf der Lifestyle-Komponente, sondern auf der Fitness- / Lauf-Komponente. Als Handyerweiterung dienen sie eher weniger, dafür liefern sie aber z.B. umfangreiche Statistiken und Auswertungen rund um den letzten Lauf. Die Akkuleistung von Lauf-Uhren ist auf Grund der fehlenden “Smartphone-Features” meist länger und sie können weniger kosten, als die Smartwatches.

Fitness-Tracker

Fitnessarmbänder legen ihren Fokus eher auf Schrittzählfunktionen oder Kalorienrechner von Gelegenheitssportlern, die einen groben Überblick über ihre täglichen Bewegungen haben möchten. Einige Fitness-Tracker bieten in abgeschwächter Funktionalität Push-Benachrichtigungen für eingehende Nachrichten ein, oftmals aber nur für SMS. Fitness-Tracker sind meist leichter und schmaler und können so eher als Accessoire am Handgelenk getragen werden.


Bei ihren Tests hat die Stiftung Warentest ihren Fokus vor allem auf die verschiedenen Fitness-Funktionen gelegt (40%). Darüber hinaus wurden die Kommunikations-Funktionen, die Handhabung und Stabilität, sowie der Datenschutz bei den verschiedenen Modellen getestet und ausgewertet. Die Genauigkeit der Fitnessdaten wie Pulsmessung, Angaben zum Kalorienverbrauch und der Streckenlänge wurden mit einem Herzfrequenz-Brustgurt und über die eingeatmete Luft gemessene Sauerstoffaufnahme gegengeprüft.


Ergebnisse Smartwatches

Neben den durchaus praktischen Funktionen wie das Signalisieren von eingehenden Nachrichten oder Anrufen, das spielen von Musik oder die Nutzung von Navigationsdiensten verfügen aktuelle Smartwatches über diverse Sensoren. Der auffälligste im Gehäuseboden misst dabei den Puls und die Uhr erfasst darüber hinaus die zurückgelegte Strecke, kalkuliert die Anzahl der Schritte und ermittelt den Kalorienverbrauch. Schrittzahl und Kalorienverbrauch berechnen die Uhren allerdings nur dann halbwegs genau, wenn zuvor Angaben über Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht gemacht worden sind. Bei der Einrichtung wird die Kopplung ans Smartphone abgefragt, welche sich durchaus empfiehlt, auch wenn einige Anbieter in Punkto Datenschutz schwächeln und sich vorbehalten, personenbezogene Daten an Dritte weiterzugeben.

Im normalen Modus liefern die Smartwatches im Test laut Stiftung Warentest allerdings häufig ungenaue Ergebnisse – genauere Ergebnisse wurden im sogenannten Trainingsmodus erreicht, der manuell aktiviert worden ist. Bei der automatischen Trainingserkennung schwächeln die Smartwatches, da sie Sportarten falsch erkennen oder den Trainingsbeginn verpassen. Dadurch wird das Ergebnis häufig ungenau.

Blind vertrauen sollte man auch den Smatwatches nicht – mit einem Testergebnis von 1,8 (gut) konnte nur die Apple Watch Series 5 wirklich überzeugen, wobei der Anbieter im Datenschutz Mängel aufweist. Die Samsung Galaxy Watch Active 2 kommt auf ein Gesamtergebnis von 2,6 (befriedigend) und schwächelt dabei vor allem bei den Fitnesskomponenten und im Datenschutz.


Ergebnisse Lauf-Uhren

Bei den getesteten Laufuhren liegt der Fokus wie oben beschrieben auf der sportlichen Aktivität der Nutzer, wenngleich sie bei einer Kopplung mit dem Smartphone ähnliche Funktionalitäten bieten, wie die Smartwatches. Laufuhren beziehungsweise Fitnessarmbänder rechnen dabei allerdings eher, als dass sie messen: ein Beschleunigungssensor liefert Daten, um die Schrittzahl abzuschätzen, einige Uhren messen den Luftdruck, um auf Treppensteigen zu schließen. Alle Laufuhren ermitteln aber durch verschiedene Techniken die Pulsfrequenz und liefern dabei vergleichbare Werte, wie der zum Vergleich verwendete Brustgurt. Aus der Pulsfrequenz, der Schrittzahl und gegebenenfalls den Höhenmetern ermitteln die Laufuhren ebenfalls den Kalorienverbrauch.

Die Laufuhren funktionieren in der Theorie auch ohne Nutzerkonto oder Smartphone-Kopplung, allerdings sind die Ergebnisse dann eingeschränkt(er). Die Statistiken auf dem Smartphone liefern noch einmal mehr Details, als die Statistiken auf der Laufuhr. Auch bei der Konfiguration werden wieder Angaben zu Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht abgefragt – wer hier mit ungenauen Werten arbeitet, erhält am Ende des Tages auch ungenaue Werte für den Kalorienverbrauch etc. In Punkto Datenschutz weisen einige Laufuhren durchaus Mängel auf, da sie irrelevante Daten abfragen und diese zum Teil an Facebook und Co. weitergeben.

Wer mit den Mängeln im Datenschutz umgehen kann und ein leistungsorientierter Jogger oder Radfahrer ist, ist mit Laufuhren wie der Garmin Forerunner 245 Music (Gesamtergebnis 2,2 [gut]) oder der Garmin Vivoactive 4 (Gesamtergebnis 2,5 [gut]) gut bedient . Mit Laufuhren lassen sich ausgefeilte Trainingspläne aufstellen und individuelle Trainingsziele erfassen. Laufuhren werten die Fitnessaktivitäten besonders detailliert aus. Smarte Funktionen der Smartwatches fehlen diesen Uhren allerdings aktuell noch.


Ergebnisse Fitness-Tracker

Auf Grund der oftmals fehlenden smarten Komponenten der Fitness-Tracker punkten diese vor allem mit ihrer Akkuleistung. Durch die meist monochromen und kleinen Displays zeichnen sie teilweise Daten über zwei Wochen oder länger ohne Zwischenladung auf. Gemessen wird von den Fitness-Trackern allerdings nur der Puls durch eine LED im Gehäuseboden, für die direkter Hautkontakt unerlässlich ist. Fitness-Tracker sollten ihre Träger zu einem aktiveren Lebensstil motivieren, weshalb sie körperliche Aktivitäten permanent erfassen. Allerdings liefern selbst die besten Tracker nur beim Laufen oder Gehen brauchbare Ergebnisse. Alltagsbewegungen verfälschen die Resultate und führen zu nicht aussagekräftigen Ergebnissen. Kein Fitness-Tracker im Test ermittelte auch nur annähernd die genaue Distanz einer Fahrradtour.

Wer einen Überblick über seine Aktivitäten haben will und weniger Geld investieren möchte, als in eine Smartwatch oder eine Laufuhr, kann auf Fitness-Tracker zurückgreifen. Die FitBit Charge 3 erhielt allerdings nur ein Gesamturteil von 3,3 (befriedigend) und ist damit der beste unter den getesteten Fitness-Trackern. Alternativ erreicht die Garmin Vivosmart 4 ein Testergebnis von 3,5 (befriedigend).


Fazit Fitness-Tracker

Von den 25 getesteten Fitness-Trackern der Stiftung Warentest lieferten nur zwei Smartwatches alles in allem verlässliche und stimmige Werte: die Apple Watch Series 5 sowie die Garmin Forerunner Music 245. Auf die anderen Fitness-Tracker war im Test eher weniger Verlass. Daher sollte nicht jede Zahl, welche von den Geräten ausgewiesen wird, für 100% wahr angenommen werden. In vielen Fällen ließen die Ergebnisse gerade in den Fitnesstests zu wünschen übrig und sollten eher als Richtwert interpretiert werden. Ohne ein gekoppeltes Smartphone überzeugten vor allem die Fitness-Tracker weniger – teilweise mit extremen Abweichungen von bis zu 40%. Denjenigen, denen der Datenschutz wichtig ist, sollten ein genaueres Augenmerk darauf werfen, inwieweit die personenbezogenen Daten auf den Geräten selbst geschützt sind und welche Daten wohin gespeichert beziehungsweise weitergegeben werden.

Die smarten Helfer und Erinnerer an einen aktiveren Lebensstil haben trotzdem ihre Daseinsberechtigung, solange die Nutzer sich bewusst machen, dass der Großteil von ihnen keine 100% verlässlichen Daten generiert.

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